Dienstag, 5. Oktober 2010

Sesam öffne dich

Mittlerweile glaube ich, was für Don Quijote die Windmühlen waren sind für mich die spanischen Türen - insofern hätte ich meinen Blog vielleicht anders betiteln sollen. Angefangen hat es mit der Haustür bei den Couchsurfern, die zwar theoretisch durch Drücken eines Schalters hätte aufgehen sollen, es bei mir aber irgendwie nie wollte. Dann hab ich mich bei den Wohnungsbesichtigungen mit der einen oder anderen Tür herumgequält und seit ich nun in meine jetzige Wohnung eingezogen bin, lebe ich in ständigem Clinch mit der Haustüre (die sich nämlich nur öffnen lässt, wenn man den Schlüssel bis genau zwischen dem vorletzten und dem letzten Zacken ins Schlüsselloch steckt - und manchmal bequemt sie sich auch nach minutenlanger Milimeterarbeit nicht dazu, aufzugehen). Letzte Woche hat sich mein Tür-Konflikt dann auch auf die Uni ausgedehnt. Nachdem ich eine Lehrveranstaltung früher verlassen musste, wollte ich mich möglichst leise aus dem Raum schleichen. Das wäre mir auch fast gelungen - wenn ich die Tür aufbekommen hätte. Spätestens beim vierten Rüttler ist der Prof plötzlich still geworden und alle Augen waren auf mich gerichtet. Nachdem ich es ganz offensichtlich nicht alleine schaffte, die Tür zu öffnen, wollte mir der Prof galanterweise zu Hilfe kommen, hatte zum Amüsement der ganzen Gruppe aber leider genauso wenig Erfolg wie ich. Die restliche Viertelstunde des Unterrichts haben wir deshalb damit verbracht, von innen an die Tür zu hämmern und nach draußen zu telefonieren, bis es dann endlich jemand geschafft hat, die klemmende Tür von außen aufzureißen.

Fazit: Spanische Wäscheständer sind mir unsympathisch. Spanische Türen auch.

Mittwoch, 29. September 2010

Streik

Die Spanier streiken, um gegen die Arbeitsmarktreformen der Regierung zu protestieren und ich hab keine Uni - so ein Pech ;-)

Bericht auf orf.at über den Streik: http://www.orf.at/#/stories/2017239/

Samstag, 25. September 2010

Toledo

Heute hab' ich an einem Ausflug nach Toledo teilgenommen, der vom Erasmus Student Network organisiert wurde. Es gab zum Glück kein festes Programm, sondern wir sind einfach alle gemeinsam in drei Bussen hingefahren und konnten dort frei die Stadt erkunden. Heute war ich mit einer Russin, einer Deutschen und einer Koreanerin unterwegs. Lustig wars :-)
Oh und ich hab auch heute wieder was gelernt: Suche niemals ein öffentliches WC in Toledo - wir haben vier Stunden dafür gebraucht und uns, als wir es endlich gefunden haben, wahrscheinlich gefühlt wie Kolumbus, als er in "Indien" ankam (bloß dass wir zweifellos wussten, wo wir da gelandet sind).

Toledo

Freitag, 24. September 2010

Mein Zimmer

Ein paar Fotos von meinem kleinen aber gemütlichen Reich :-)

Mi habitación

Es war einmal...

Böse Zungen mögen behaupten, der Studentenalltag bestünde nur aus Party und Schlafen - meine Leidensgenossen/-genossinnen unter euch wissen allerdings, dass dem nicht (immer) so ist und das Studium mitunter richtig stressig sein kann. Seit ich bei einer Führung durch den historischen Teil der Uni Alcalá aber gehört habe, wie es den Studenten früher so ergangen ist, kommt mir das Studium heutzutage richtig angenehm vor verglichen mit der Tortur, der sich besonders die Doktoratsantwärter/-innen damals stellen mussten.

Bei der Doktoratsprüfung musste sich der Prüfling auf eine Art Kanzel stellen - neben ihm standen auf einer Seite sein Tutor, der sich bemühte, ihn zu unterstützen und auf der anderen Seite ein Professor, der versuchte, ihn aus der Fassung zu bringen und durchfallen zu lassen. Unter der "Kanzel" saß eine Kommission von 30 Professoren, die jeweils eine Frage an den Prüfling stellen durften - wenn dieser auch nur eine Frage falsch beantwortete, fiel er automatisch durch. Über dem Prüfling standen auf einer Galerie Zuhörer, die den Doktoratsanwärter je nach Sympathie lauthals anfeuern oder beschimpfen durften. Der dadurch entstehende Lärm galt als weitere Bewährungsprobe des Prüflings - reagierte er darauf oder wehrte sich gegen Beschimpfungen, fiel er durch.
Wer die Doktoratsprüfung bestand, durfte durch das Tor des Ruhmes (puerta de gloria) ins Freie gehen, wo er vom gesamten Ort gefeiert wurde. Wer durchfiel, musste durch das Tor des Dummkopfes (puerta de burro) auf der entgegengesetzten Seite gehen, wo ihn die Bewohner Alcalás mit faulen Eiern, Tomaten und Steinen erwarteten, um ihn für sein Versagen zu bestrafen.
In der ersten Zeit nach Entstehung der Uni Alcalá am Ende des 15. Jahrhunderts fielen ca. 300 Doktoratsantwärter durch, 30 bestanden. Wer durchgefallen war, zog entweder in eine andere Stadt, um dort nochmals zur Prüfung anzutreten, oder versuchte es (verständlicherweise) erst gar nicht mehr.


Das Wappen der Uni Alcalá...

Montag, 20. September 2010

Uni-Beginn

Heute war mein erster Uni-Tag in Alcalá. Diese Woche können wir Erasmus-Studenten uns einfach mal in Lehrveranstaltungen setzen, die uns interessieren und am Beginn der nächsten Woche müssen wir uns dann für ein paar davon entscheiden.
Fazit: Erste Lehrveranstaltung: 30 Studenten, zweite Lehrveranstaltung: 4 (!) Studenten, dritte Lehrveranstaltung: 2 (!!) Studenten. Also ich weiß ja nicht was die anderen Leute so interessiert, aber offenbar nicht dasselbe wie mich. Naja, mal sehen was der Rest der Woche so bringt... Bis jetzt ist sowieso alles ein bisschen chaotisch - Kollegen haben mir z.B. erzählt, dass ihre Professoren teilweise nicht mal aufgetaucht sind.

Am Heimweg bin ich übrigens wieder mal in eine Fiesta geraten, diesmal wars allerdings ausnahmsweise kein Besäufnis, sondern eine religiöse Prozession zu Ehren der Jungfrau Maria. Ich hab mit dem Handy ein paar Fotos gemacht - die Qualität ist dementsprechend schlecht aber ich glaube man kann zumindest ein bissl was erkennen.

Virgen del Val

Sonntag, 19. September 2010

Cuenca

Gestern haben wir zu viert - eine Schwedin, eine Tschechin, eine Französin und ich - einen Ausflug nach Cuenca gemacht. Praktischerweise hatte die Französin ihr Auto mit nach Spanien genommen und wir konnten mit ihr mitfahren.
Cuenca ist eine Stadt im Osten von Alcalá, die vor allem für ihre hübsche Altstadt und die casas colgadas (hängende Häuser) bekannt ist.

Cuenca

Was wir nicht wussten war, dass in Cuenca an diesem Tag die Feierlichkeiten zu Ehren von San Mateo beginnen würden und da wir uns dieses Spektakel nicht entgehen lassen wollten, sind wir in der Stadt hängen geblieben anstatt wie geplant auch die Umgebung zu erkunden. Wer bei San Mateo jetzt an Messen und religiöse Prozessionen denkt, liegt gründlich daneben - statt Weihrauch lag schon am frühen Nachmittag der Geruch von Alkohol in der Luft und die ersten Partytiger haben Bierfässer durch die Straßen gerollt.
Eine Menge junger Leute war in der Stadt unterwegs und nachdem wir als eine Gruppe von vier Mädls - zwei davon blond und hellhäutig - ziemlich aufgefallen sind, wurden wir fleißig angeflirtet, ausgefragt und zum mitessen und -trinken aufgefordert. Es war lustig, aber nachdem die Schwedin mir erzählt hat, dass sie täglich 5-6mal angegraben wird, war ich dann doch ganz froh darüber, dass mich die Spanier meinem Aussehen nach bis jetzt meistens ihrer Nationalität zugeordnet und mich dementsprechend wenig beachtet haben.

Richtig angefangen hat die Feier dann am Nachmittag, als eine Horde von Menschen sich im Zentrum versammelt hat, um die Ansprache des Bürgermeisters zu hören und anschließend am corrida de toro - dem Stierlauf - teilzunehmen oder zuzusehen. Anfangs wars ja ganz amüsant, die Spanier dabei zu beobachten, wie sie sich kollektiv auf der Plaza Mayor besaufen und gegenseitig mit Alkohol bespritzen, aber nachdem mit dem Alkoholspiegel und der wachsenden Menschenmenge auch das Gedränge und Gestoße zugenommen hat, hatte ich schon relativ bald die Nase voll von fiesta. Nachdem uns aber eine Spanierin geraten hatte, uns den corrida de toro unbedingt anzusehen, sind wir trotzdem im Zentrum geblieben, um so ein Event wenigstens einmal gesehen zu haben.

Geschlagene zwei Stunden später wars dann soweit. Aber was uns so großartig angekündigt worden war, hätten wir uns in Wirklichkeit auch sparen können : Eine arme Kuh, der sie Hörner aufgesetzt hatten, umringt von einer Schar betrunkener Männer, die versucht haben, das Tier zu provozieren, um dann als Beweis ihrer Furchtlosigkeit vor ihm herumzuhüpfen. Ganz abgesehen von den übrigen Zusehern, die sich kreischend zu uns hinter die Absperrungen gedrängt haben, sobald die Kuh auch nur ihren Kopf in unsere Richtung gedreht hat (man muss dazu sagen, dass sie an einem Strick gehalten wurde). Ich würde derartige Spektakel also nicht unbedingt zu den Glanzlichtern Spaniens zählen. Wenigstens wurde uns gesagt, dass das Tier nach der fiesta ein ruhiges Leben auf dem Bauernhof verbringen darf.

Lektion des Tages: Warte niemals zwei Stunden lang auf eine Kuh.

Hier ein paar Fotos von der Fiesta de San Mateo:

Fiesta de San Mateo

Um halb zwölf Uhr nachts waren wir dann schließlich zurück in Alcalá und alle schon ziemlich fertig. Aber mei, man ist ja nur einmal jung und so war ich dann noch ein paar Stündchen Salsatanzen bevor ich um halb fünf Uhr morgens ins Bett gekippt bin.