Dienstag, 30. November 2010

Die kleinen Dinge des Lebens

Bis jetzt habe ich hauptsächlich Blogeinträge über "besondere" Ereignisse geschrieben, aber eigentlich machen die nur einen kleinen Teil meines Lebens hier aus. In diesem Eintrag sollen deshalb die kleinen Dinge im Mittelpunkt stehen, die mir den Tag versüßen - oder vermiesen.

Kleine Freuden:
  • auf dem Weg zur Uni die gebratenen Mandeln zu riechen, die von den Nonnen eines nahegelegenen Klosters verkauft werden
  • das Geklapper der Störche auf den Dächern
  • wenn die Dame in der Unicafetería mir sobald ich zur Tür hereinkomme ein Baguette holt, weil sie weiß, dass ich das immer bestelle
  • am Wochenende die jungen Hip Hopper beim Breakdancen und Skateboarden auf der Plaza de Cervantes zu sehen
  • das nette "Buenos días, Johanna" des Pensionisten, der mit mir das Seminar über die Geschichte der Schriftkultur besucht
  • die Schulkinder morgens in ihren seltsam Joggingsanzug-artigen Uniformen zu sehen und mich dankbar daran erinnern zu können, dass ich sowas nie tragen musste
  • meine Freundin Ragnhildur Isländisch mit amerikanischem Akzent sprechen zu hören
  • heimzukommen und auf dem Schubladenkästchen im Vorzimmer Post von zu Hause vorzufinden
  • einen Film zu sehen und irgendwann nicht mehr mitzubekommen, dass er auf Spanisch ist
  • meine Aerobic-Lehrerin, die aussieht, als hätte sie schon im Bauch ihrer Mutter Sit-Ups gemacht und deren Anblick einen automatisch dazu motiviert, sich doppelt anzustrengen, um spätestens im nächsten Leben auch mal so sportlich zu werden
Kleine Plagen:
  • morgens in einem Bad ohne Heizung aus der Dusche zu steigen
  • den Satz "¿Johanna, quieres salir a la pizarra?" (Johanna, möchtest du an die Tafel kommen?) aus dem Mund meiner Morphologie-Professorin
  • die spanischen Pseudo-Versionen meines geliebten Soja-Vanille Drinks (allesamt grauslig)
  • in der Post eine Wartelistennummer ziehen zu müssen, auch wenn gar niemand wartet
  • die Wörter "esfuerzo" und "verdad", weil sie so gemein schwierig auszusprechen sind
  • die Tretminen-Gefahr auf den Gehsteigen (das Hundesackerl ist eindeutig nicht bis hierher vorgedrungen)
  • spanische Bedienungsanleitungen
  • in der Bibliothek für 21 Tage gesperrt zu werden, weil man ein Buch zwei Tage zu spät zurückgegeben hat
  • meine Aerobic-Lehrerin, die aussieht, als hätte sie schon im Bauch ihrer Mutter Sit-Ups gemacht und deren Anblick einen auf den Boden der Tatsachen zurückholt, weil sich 21 Aerobic-lose Jahre ja doch nicht einfach weghopsen und - sit-upsen lassen

Montag, 29. November 2010

Schnee in Alcalá

Heute schneit es in Alcalá zum ersten Mal seit meiner Ankunft. Bei ca. 5 cm Schnee bricht hier angeblich schon der Verkehr zusammen, ich bin also sehr gespannt, was diesen Winter so auf uns zukommt...


Donnerstag, 18. November 2010

Meine Mitbewohnerin

Endlich gibt es ein Foto von mir und meiner lieben Mitbewohnerin Bea :-) Ein Bekannter hat es letzte Woche in einem Salsa Club hier in Alcalá aufgenommen...

Bea und ich

Mittwoch, 17. November 2010

San Lorenzo de El Escorial

Mittlerweile ist es leider auch hier in Alcalá richtig Herbst geworden. Letztes Wochenende wars so kalt und grau, dass meine isländische Freundin Ragnhildur und ich uns für ein Indoor-Programm entschieden und uns das Kloster San Lorenzo de El Escorial angeschaut haben. Leider war das Kloster genauso kalt und grau wie das Wetter, aber immerhin waren wir vorm Regen geschützt und einen Besuch war es allemal wert. Insgesamt fünf Stunden waren wir in dem riesigen Klosterkomplex unterwegs, haben bewundert, bemängelt und ein ganz kleines bisschen über die dicken Engel und die arroganten Gesichtsausdrücke der Monarchen auf den Renaissance-Gemälden gewitzelt.
Am besten hat uns beiden die wunderschöne Bibliothek mit ihren Deckengemälden und uralten Büchern gefallen. Außerdem gibt es noch einen "Saal der Schlachten", dessen Wände mit Kriegszenen bemalt sind - in fröhlichen Farben und sehr idealisiert natürlich, man wollte sich ja an Triumphe und nicht an Blutbäder erinnern. Und die paar Toten, die man auf den Gemälden sieht, stammen selbstverständlich aus dem gegnerischen Heer.

San Lorenzo de El Escorial

Mittwoch, 10. November 2010

Uni-Leben

Nachdem ich jetzt schon seit bald zwei Monaten Unterricht habe, ist es vielleicht doch mal an der Zeit, ein bisschen was von meinem Alltag als Studentin an der Uni Alcalá zu erzählen.
Die Lehrveranstaltungen hier umfassen anders als in Österreich nicht eineinhalb, sondern drei oder vier Stunden die Woche. Ich habe für dieses Semester vier Lehrveranstaltungen gewählt - zwei, die ich für mein Studium in Graz brauche (davon eine über die Morphologie der spanischen Sprache und eine über die Geschichte Spaniens zur Zeit der Franco-Diktatur) und zwei aus Interesse ("Die Frauen im Mittelalter" und "Sozialgeschichte der Schriftkultur"). Mit letzteren beiden in ich bis jetzt sehr zufrieden, weil sie wirklich interessant sind, die anderen beiden fallen eher unter "durchwurschteln und abhaken".
Im Großen und Ganzen ist die Uni bis jetzt ok, aber ich hab schon ordentlich viel zu tun. Vom viel gerühmten Erasmus-Bonus, der Gaststudenten angeblich ein ungetrübtes Party-Faulenz-Leben im Ausland ermöglicht, hab ich persönlich bis jetzt nix gemerkt. Aber ich hab' auch schon andere Erasmus-Studenten getroffen, die eher unterfordert sind und sich langweilen - das ist wohl von Studiengang zu Studiengang verschieden.

Ein paar Fotos von der Uni:

Universidad

Samstag, 6. November 2010

Spanien und die Spanier

Um die Lebensgewohnheiten und Eigenheiten der Spanier wirklich kennen zu lernen, bedarf es natürlich mehr als zwei Monate Aufenthalt in Spanien, aber ein bisschen was hab ich doch schon über mein Gastland und seine Einwohner gelernt:
  1. Frauen werden - ungeachtet ihres Alters oder Aussehens - prinzipiell immer mit guapa (Hübsche) oder cariño (Liebes) angesprochen, egal ob von Studienkollegen oder vom Obstverkäufer. Ältere Frauen haben außerdem anscheinend die Angewohnheit, jüngere Frauen hija mía (meine Tochter) zu nennen.
  2. Spanier duzen viel früher und viel öfter als wir. Auch die Uniprofessoren, egal ob jung und locker oder betagt und respekteinflößend, werden mit ihren Vornamen und "du" angesprochen (was mir bei manchen immer noch nicht über die Lippen kommt).
  3. Spanier benützen Wörtchen wie "Bitte" und "Danke" wesentlich weniger oft als wir, was anfangs etwas unhöflich wirken kann, wenn man nicht dran gewöhnt ist.
  4. Angeblich ist der Marienkult in Spanien so verbreitet, dass 23% der spanischen Frauen María heißen - in allen möglichen Variationen: María Dolores (Schmerzen), María Soledad (Einsamkeit), María Inmaculada oder María Concepción (die unbefleckte Maria).
  5. Spanier sind generell sehr hilfsbereit, egal ob man sie nach dem Weg oder nach ihrer Mitschrift von der letzten Lehrveranstaltungseinheit fragt.
  6. Die Sicherheitsvorkehrungen in Spanien wirken allgemein strenger als bei uns, das reicht von der Gepäckkontrolle am Bahnsteig bis zu den Sicherheitsmaßnahmen der Supermärkte. Willst man z.B. mit einem Rucksack oder einer größeren Tasche in den Supermarkt gehen, muss man diese/n entweder in einem der Schließfächer einsperren, oder in einen Plastiksack stecken und diesen dann durch eine eigene Verschluss-Maschine ziehen, sodass man ihn auch ja nicht unbemerkt öffnen kann.
  7. In Spanien braucht man für sämtliche Aktivitäten die D.N.I.-Nummer, in meinem Fall also die Passnummer. Man muss z.B. in allen Unterrichtsfächern dem Professor eine ficha, ein Formular mit Name, Alter, Adresse, Telefonnummer und Auweisnummer, abgeben. Insofern ist des den Spaniern absolut unverständlich, wie man seine Ausweisnummer nicht auswendig wissen kann, was mich das eine oder andere Mal schon etwas in Verlegenheit gebracht hat.
  8. Spanier sind gar nicht so unpünktlich, wie mir in Österreich immer gesagt wurde. Zumindest war bis jetzt meistens eher ich zu spät dran.
  9. Dass Spanier generell keine besonders große Affinität zu Fremdsprachen verspüren, weiß ich ja noch vom Urlaub letztes Jahr. Trotzdem finde ich es immer wieder sehr amüsant, dass fast alle ausländischen Begriffe "hispanisiert" - also durch ein anderes Wort ersetzt, oder zumindest lautlich angeglichen - werden. Wörter wie z.B. power werden deshalb beinhart so ausgesprochen, wie man sie schreibt. Das kann vor allem auf der Uni manchmal zu ernsthaften Verständnisproblemen führen.
  10. Hier in Spanien gibt es nicht nur cafeterias, sondern auch teterías - also genau das Richtige für mich :-)

Freitag, 5. November 2010

Sprachliche Originalität

Eigentlich lese ich Linguistik-Bücher ja sehr ungern, aber heute hab ich mich doch tatsächlich mal dabei amüsiert. Warum? Weil die Spanier ein paar wirklich nette Wörter in ihrem Vokabular haben. So verwenden sie etwa Ausdrücke wie "Briefmarkentöter" (Poststempel), "Tischlervogel" (Specht) oder "Tintenlutscher" (Büroangestellter). Eine Witzfigur ist hier ein "Bring-mich-zum-Lachen" und eine Petze nennen sie "Lauf-sieh-und-sag-ihm". Oh und es gibt in Spanien eine Nachspeise mit dem süßen Namen "Schmeckt-mir-gut".

Dienstag, 2. November 2010

Sevilla

Donnerstag Nacht bin ich zusammen mit meiner Erasmus-Freundin aus Island mit dem Bus nach Sevilla gefahren, um dort das verlängerte Wochenende zu verbringen. Die Busfahrt hat sechs Stunden gedauert und an Schlaf war für mich leider kaum zu denken - unter anderem deshalb, weil ein besonders einfühlsamer Mitreisender schräg vor mir auf die tolle Idee kam, um zwei Uhr morgens unter den bösen Blicken seiner Sitznachbarin ein offenbar lebensnotwendiges Telefongespräch zu führen (meine Wut wurde nur dadurch besänftigt, dass er sich eine Folge von "How I met your mother" mit spanischen Untertiteln am Notebook angeschaut und mir damit die Zeit vertrieben hat).
Jedenfalls waren wir echt ko, als wir um sieben Uhr morgens angekommen sind und unser erster Spaziergang durch die Stadt hat auch nur so lange gedauert, bis unsere Zimmer im Hostal bereit waren. Nach ein paar Stunden Schlaf und einer warmen Dusche, gings uns dann aber besser und so waren wir abends noch in der Stadt unterwegs.
Am nächsten Tag mussten wir erst mal weiter Hostal suchen, weil unseres für die zwei kommenden Nächte nichts mehr frei hatte und wir bei Couchsurfing auch keinen Erfolg hatten. Gefühlte Stunden später - alles war voll belegt - haben wir dann zwei Hostals gefunden, die jeweils für eine Nacht ein Zimmer frei hatten. Als das endlich erledigt war, waren wir in den Reales Alcázares - den königlichen Palästen Sevillas, die wirklich sehr beeindruckend sind. Hier ein paar Fotos:
Reales Alcázares
Abends waren wir in einer Bar tapas essen, die uns schon am Tag davor aufgefallen war. Der Kellner hat an der Bar unsere Bestellung aufgenommen und wir hatten es uns schon an unserem Tisch gemütlich gemacht, als uns auf einmal ein schrilles Läuten aufgeschreckt hat. Das Telefon? Eine Türglocke? Feueralarm? Wie ein anderer Gast dankenswerterweise nach ein paar Minuten Irritation seitens aller Anwesenden herausgefunden hat, war keine unserer Vermutungen zutreffend. Die Entschlüsselung des mysteriösen Geräusches war eigentlich ganz einfach: 1mal Läuten = Essen ist fertig, wer zuerst bestellt hat möge zur Bar kommen, um es sich zu holen (und dem beleibten Kellner den Weg zu ersparen); mehrmaliges Läuten: wer bis jetzt geschlafen hat, möge verdammt noch mal zur Bar kommen, sonst wird er taub geläutet. Also wieder was dazu gelernt. Das Essen war sehr gut, aber nachdem ich ohne Wörterbuch irgendwas bestellt hatte, war ich plötzlich mit zwei Käse-Bomben konfrontiert, von denen ich in einem Anflug von Wagemut eine halbe gegessen habe und den Rest dann wegen plötzlich eintretender Übelkeit zurückschicken musste. Nie wieder Käse!
Am nächsten Tag war ich allein nochmals in den Reales Alcázares (der Eintritt war gratis), um mich diesmal ganz den Gärten zu widmen, für die ich am Tag zuvor keine Zeit gehabt hatte.
Jardínes
Am Nachmittag waren wir dann in der Casa de Pilatos, einem weiteren wunderschönen Palast.
Casa de Pilatos
Da wir abends ausgehen wollten, haben wir uns nach der Rückkehr ins Hostal bei der Rezeptionistin erkundigt, wo man denn gemütlich was trinken gehen könnte. Sie hat uns zu einer Bar geraten, die ihrer Meinung nach was "ganz Besonderes" wäre. Als wir dort angekommen sind, hat sich herausgestellt, dass wir die Bar am Tag zuvor schon mal gesehen aber ignoriert hatten, weil wir dachten es handle sich um eine Kirche. Man stelle sich vor: ein Vorraum mit einem gold-roten Altar und einer Christus-Statue, davor ein Schild, das für einen Cocktail namens "Sangre de Cristo" (Blut Christi) wirbt und drinnen ein Haufen alter Leute, über denen Rosenkränze baumeln. Und nein, ich übertreibe nicht. Nachdem wir sofort die Flucht ergriffen haben, hatte ich leider keine Zeit mehr, ein Foto zu machen.

Trotz dieser traumatischen Erfahrung, haben wir den Aufenthalt in Sevilla genossen - abgesehen davon, dass wir mit einem unserer Hostals Probleme hatten, weil die überaus reizende und kompetente Rezeptionistin uns - unbeeindruckt von meiner Bestätigung der Internet-Reservierung mit Kreditkarte - mitgeteilt hat, sie wisse nicht ob noch ein Zimmer frei wäre und wir sollen in drei Stunden wieder kommen. Später hat uns ihre noch reizendere und noch kompetentere Kollegin eröffnet, dass sie voll belegt wären. Und nein, wir können leider nicht die Kreditkartenfirma anrufen, da sie leider kein Telefon habe (das neben ihr war wahrscheinlich nur eine Attrappe) und nein, sie könne uns leider nicht helfen, weil sie überaus beschäftigt wäre. Es ist wirklich ein Jammer, dass so viele Leute in Spanien arbeitslos sind und gerade diese zwei Damen ihren Posten noch haben.

Ansonsten war die Reise toll und wir hatten wirklich Spaß. Hier noch ein paar Fotos:
Sevilla